Wie wichtig ist der pH-Wert?

Hast Du schon einmal was vom Säure-Base-Haushalt gehört? Was hat das mit der Gesundheit auf sich und mit der mittlerweile weitverbreiteten basischen Ernährung zu tun? Um die Hintergründe besser zu verstehen, sollten zunächst Grundkenntnisse über Säuren und Basen vorhanden sein. In diesem kurzen Beitrag und dem Beitrag “Säuren und Basen“ erhälst Du das Grundwissen welches notwendig ist, um die Hintergründe der basischen Ernährung besser verstehen und einschätzen zu können. Denn oft scheinen die Tatsachen anders zu sein, als manche verbreitete Ernährungstheorien. Für mehr Sicherheit sorgt hingegen das Grundwissen, wie z.B. über die Funktionen von Säuren und Basen.

Falls Du den Beitrag “Säuren und Basen“ gelesen hast, so weist Du nun was ein pH-Wert ist und wie dieser zustande kommt. Der pH-Wert ist jedoch nicht einfach nur eine Zahl, sondern wichtig wenn es darum geht, biochemische Stoffwechselprozesse zum Laufen zu bringen. Jedes Gewebe, jede Reaktion bzw. Stoffwechselprozess ist von einem ausbalanciertem pH-Wert abhängig. An jedem Stoffwechselprozess sind Enzyme und Proteine beteiligt die nur unter bestimmten pH-Umgebungen richtig arbeiten können. Für einen ausbalancierten pH-Wert sorgt das Puffersystem unseres Körpers.

Das Puffersystem

Das Puffersystem ist dafür verantwortlich, dass der pH-Wert in bestimmten Körperflüssigkeiten stabilisiert wird. Je nach Gewebe, Ort bzw. Körperflüssigkeit wird ein anderer pH-Wert benötigt.

Wenn Säuren und Basen aufeinander treffen, so findet ein Ionenaustausch statt. Wasserstoff-Ionen (H+) werden von Säuren abgegeben und von Basen aufgenommen (als vereinfachtes Modell vorzustellen). Anhand dieses Systems wird mit Hilfe von Puffern der pH-Wert stabil gehalten. Ein Puffer ist in der Lage sowohl saure als auch basische Moleküle “abzufangen“. In unserem Körper übernimmt diese Aufgabe das Hydrogencarbonat- und der Phosphatpuffer. Das Hydrogencarbonat beugt dabei eine Azidose (Übersäuerung) und der Phosphatpuffer eine Alkalose (Untersäuerung) vor.

Die Pufferkapazität ist jedoch begrenzt und kann nur durch eine richtige Ernährung und Lebensstil aufrechterhalten werden (s. basische Ernährung). Denn Säuren und Basen werden ständig ausgetauscht, ausgeschieden, neutralisiert und wieder von aussen zugeführt. Der Körper tut jedoch was er kann, um den richtigen pH-Wert aufrechterhalten zu können, insbesondere in solch wichtigen Körperflüssigkeiten wie dem Blut.

Der pH-Wert von Körperflüssigkeiten

Der pH-Wert diverser Körperflüssigkeiten ist sehr unterschiedlich. In manchen Körperflüssigkeiten muss der pH-Wert sehr stabil gehalten werden, wie z.B. dem Blut, in anderen kann der pH-Wert innerhalb eines Tages stark schwanken, wie z.B. der pH-Wert im Urin.

 

Körperflüssigkeit

pH-Wert (aufsteigend von sauer nach basisch)

Magensaft

1.0 – 2.0

Vaginalschleimhaut

4.0 – 5.0

Schweiss

4.5

Urin

4.5 – 7.9

Speichel

5.5 – 7.8

Galle

6.5 – 8.2

Körperzelle

7.0 – 7.3

Blut

7.37 – 7.43

Sperma

7.0 – 7.8

Darmsaft

7.5 – 8.0

Bauchspeichel

8.5 – 9.0

Folgen eines gestörten Säure-Base-Haushalts

Das eine gestörte Balance zwischen Säuren und Basen auch gesundheitliche Folgen haben kann ist logisch. Denn kann der pH-Wert bestimmter Körperflüssigkeiten nicht aufrechterhalten werden, so arbeiten Stoffwechselprozesse ineffizient, was wiederrum Krankheiten, aufgrund von unvollständigen Stoffwechselprozessen, verursacht. Beispielsweise funktioniert die Verdauung nicht richtig, wenn der Magensaft nicht sauer genug ist, oder der pH-Wert im Dünndarm zu niedrig ist. Nahrung kann dadurch nicht richtig verwertet werden, was zu einer Verschlackung und einem Ungleichgewicht der Darmflora führen kann.

Ausserhalb der Verdauung, beispielsweise im Zellinneren, laufen Stoffwechselprozesse, wie auch die Entgiftung nicht richtig ab. Direkte Säureschäden zeigen sich in Form von Karies und verätzten Schleimhäuten. Auch schütz ein gesunder Magen-pH-Wert davor, dass Bakterien von aussen gar nicht erst in den Dünndarm und so in den gesamten Organismus gelangen und sich verbreiten können. Jeder Stoffwechselprozess ist von einem bestimmten pH-Wert abhängig und kann nicht funktionieren, wenn der Säure-Base-Haushalt gestört ist.

 

Leider wird im Schulmedizinischem Sinne eine Übersäuerung erst dann als Übersäuerung bezeichnet, wenn der Blut-pH-Wert sinkt. Dies ist jedoch bereits ein sehr bedenklicher, kritischer Zustand, den besser niemand erreichen sollte. Bevor das Blut übersäuert, übersäuern andere Körperflüssigkeiten, wie z.B. die Verdauungssäfte und die Zellflüssigkeiten innerhalb und ausserhalb der Zellen. Zellflüssigkeiten und das Bindegewebe sind beliebte Orte des Körpers um Säuren und andere Gifte zu deponieren, auch bedient sich unser Körper an Mineralstoffen (aus Muskeln, Knochengewebe und andere Körperflüssigkeiten) um Säuren ausscheiden zu können, wenn beispielsweise die Ausscheidungskapazität der Körperflüssigkeiten und Organe bereits erreicht ist. Dies ist ein effektiver Schutz um “wichtigere“ Organe und Körperflüssigkeiten, wie das Blut zu schonen. Ein wichtiger aber auf Dauer, ohne Änderung des Lebensstils, krankheitsfördernder Zustand. Unser Organismus macht alles was nötig ist um das Überleben bestmöglich zu sichern. Werden jedoch die eigenen Kapazitäten dies zu tun überstrapaziert, so äussert sich dies in Form von Zivilisationskrankheiten. Ein gestörter Säure-Base-Haushalt ist dabei nicht ganz unbeteiligt und sollte ernst genommen werden. Mehr zu Ursachen eines gestörten Säure-Base-Haushalts, erfährst Du im Beitrag zur basischen Ernährung.

 

 

 

Autor: Irene Wegner

 

 

Quellen:

[1] Unser Säure-Base-Haushalt, Ursachen, Folgen und Verhütung der Übersäuerung im Körper, Dr. sc. nat. ETH Guido P. Jutz.

[2] http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Diaeten/Saeure-Basen-Diaet/Artikel/23562_Seite_2.php

[3] http://josef-stocker.de/acid.pdf